Euro 2018
Es wird gekämpft!
15.07.2018 - 21:42

Die erste Zeitnotphase war vorbei, da spielten sowohl die Fußballer im Stadion von Moskau, als auch noch alle Bretter der Begegnung zwischen dem Spitzenreiter Rumänien und dem Zweitplatzieren Polen bei der EYTCC. Das zeigt wie intensiv es hier im thüringischen Bad Blankenburg vor sich geht. Denn alle Mannschaften sind mit hohen Zielen nach Deutschland gekommen, da wird kein halber Punkt verschenkt.

Polen konnte dank eines Schwarzsieges an Brett 2 in Führung gehen, musste aber die beiden Weißbretter Remis geben. Ein Mannschaftspunkt war also sicher, doch das große Zittern begann ob es auch zum Sieg reichen würde. Denn an Brett 4 stand Rumänien auf Gewinn, jedoch mit einer der unangenehmsten Situationen die man sich vorstellen und mit der man sich blamieren kann. Vasiesiu hatte sich aus einer Verluststellung zurück in die Partie gekämpft und musste nun mit Springer und Läufer gegen König gewinnen. Das machte er mit traumwandlerischer Sicherheit und führte damit Rumänien zum 2-2 gegen die starken Polen!

96_K-EG1B4588.JPG

Deutschland 2 sah heute gegen Österreich keinen Stich, abgeklärt gewannen die Österreicher mit 1:3, die beiden halben Punkte für Deutschland 2 holten in dem Match Emil Schmidek und Valentin Buckels.

96_K-EG1B4548.JPG

Deutschland 1 strauchelte...fiel aber nicht gegen die stark aufspielende Mannschaft aus Slowenien. Roven Vogel hatte schnell eine sehr angenehme Stellung erreicht und bestätigte seine bestechende Form durch einen ungefährdeten Sieg mit den weißen Steinen. Vincent Keymer an Brett 2 indes hatte größere Probleme und fand sich in einem Turm und Läufer-Endspiel mit Bauer weniger wieder, dass er am Ende verlor. Doch die Mannschaft kam noch auf die 2,5 Brettpunkte die zu einem Mannschaftssieg nötig sind. Denn Julian Martin hielt seine unangenehme Stellung mit Qualität mehr für 2 Bauern Remis, während Raphael Lagunow an Brett 4 den vollen Punkt in einem überlegenen Endspiel einsammelte.
Deutschland 1 sollte die einzige erfolgreiche deutsche Mannschaft im U18 Open bleiben, denn wie für Deutschland 2 setzte es auch für Deutschland 3 eine bittere Niederlage.

96_K-EG1B4550.JPG

Zunächst gewann Alexander Rieß ein schön geführte Partie, in der er bewies, dass ungleichfarbige Läufer mit entsprechenden Angriffsmöglichkeiten nicht immer Remis sind. Technisch stark vollendet mit einem kurzfristigen Turmopfer. Damit schien Deutschland 2 schon zumindest den Mannschaftskampf sicher zu haben, denn Daniel Kopylov hatte eine sehr starke Stellung, die er aber leider nicht gewinnen konnte. Luis Engel an Brett 1 musste bald aufgeben. Gefühlt hatte er aus der Eröffnung stets Vorteil bis er seinen Gegner zwang 2 Läufer für einen Turm zu geben. Auch das sah noch gut aus, auf ein mal jedoch entwickelte sich ein weißer Bauer zu einem gefährlichen Freibauer. Diesen konnte Luis nicht mehr aufhalten, obwohl er sich nach Kräften bemühte. Auch Jakob Pajeken kämpfte, so lange, dass er die vorletzte Partie des gesamten Turniers spielte. Doch Olga Badelka ließ sich ihre Gewinnstellung nicht mehr aus der Hand nehmen und gewann das Match für Weißrussland. Im „Last Chance“-Match zwischen Israel und Ungarn konnte sich Israel klar mit 3-1 durchsetzen. Die Helden des Tages sind jedoch unsere Freunde aus der Türkei. Wie bereits in vorangegangenen Berichten erwähnt, spielen die türkischen Mannschaften weit über ihren Elozahlen. Das bekam heute Dänemark zu spüren die mit einem grandiosen 3,5:0,5 überrollt worden sind.

96_K-EG1B4556.JPG

Das ist zwar sehr schade für die sympathische Mannschaft aus Dänemark, doch eine großartige Geschichte dieses Turniers. Am letzten Tisch konnte sich Tschechien gegen die Slowakei durchsetzen.

In der U18 weiblich zeigte Fiona Sieber weiter ihre bestechende Form und kam zu ihrem vierten Punkt im vierten Spiel. Doch Polen hielt sich an der Spitze, da Oliwia Kiolbasa zum vollen Punkt gegen Jana Schneider kommen konnte. Trotzdem ist dies der erste Verlustpunkt für das polnische Duo, das bisher ohne jeden Makel durch das Turnier ging. Slowenien 1 nutzte die Gunst der Stunde, den Abstand zu Polen zu verkürzen, indem sie Rumänien 1,5 : 0,5 schlugen. Den Siegpunkt für die Sloweninnen brachte Monika Rozman.

96_K-EG1B4561.JPG

Genau so wollte es eigentlich auch die zweite slowenische Mannschaft machen, kam aber gegen die starke kroatische Mannschaft nicht über ein 1:1 hinaus. In den verbleibenden Runden bleibt nicht nur das Rennen um Platz 1 spannend, sondern auch welche der slowenischen Mannschaften am Ende die Nase vorne haben wird.
Eine große Überraschung ereignete sich an Tisch 4, wo Deutschland 2 gegen Deutschland 3 recht chancenlos unterging. Lara Schulze, die bisher ein sehr starkes Turnier spielte, musste zum Beispiel gegen Ann-Marie Mütsch mit Schwarz recht früh einen Bauern spucken.
Deutschland 4 spielt bisher ein sehr starkes Turnier. Auch diese Runde schafften die beiden Mädels ein 1-1 gegen eine starke Mannschaft. Diesmal konnte Ungarn die vierte Deutsche Mannschaft nicht besiegen.In der U18 weiblich sorgte die Türkei ebenfalls für eine Überraschung, indem sie die Nummer 1 der Setzliste ein 1-1 abjagten. Eine unfassbar starke Leistung der türkischen Auswahl. Am letzten Brett gewannen die Tschechen gegen Israel mit 1,5 : 0,5.

Israel und Türkei sind die bestimmenden Mannschaften in der U12 Open. Beide ziehen weiter ihre Kreise. Wie im Vorbericht erwähnt, waren die Israelis keineswegs favorisiert gegen Ungarn. Simon Fule war der einzige Ungar der mit einem Sieg heute irgendetwas Zählbares für die Ungarn erreichen konnte. Die Unzufriedenheit war auch dem ungarischen Trainer anzusehen. Israel scheint mit der richtigen Einstellung und sehr gut vorbereitet ans Brett zu gehen.
Deutschland 2 traf auf verstärkte Weißrussen, aufgrund von Visa-Problemen konnten einige Spieler erst später kommen und es ist schon ein Unterschied, ob am letzten Brett jemand mit 1500 oder 1900 sitzt. Deutschland 2 wehrte sich tapfer. Dominik Laux konnte seine Partie gewinnen und Jonas Eilenberg erkämpfte in einer schlechteren Stellung das Remis. Bao Bui indes musste eine Niederlage am ersten Brett quittieren, sodass alle Blicke mal wieder auf das 4.Brett Nikita Schubert gerichtet waren. Seine Stellung verschlechterte sich zusehend und am Ende konnte er gegen den Mattangriff von Mikhei Navumenka nichts mehr ausrichten. Eine bittere Niederlage.
Deutschland 3 indes war zum feiern zu Mute.

96_K-EG1B4575.JPG

Was man auch an dem spontanen Freudenschrei von Bennet Hagner erkennen konnte, als er erfuhr, dass Marius Deuer die letzte laufende Partie beim Stand von 1,5 : 1,5 gewinnen konnte. Zuvor hatte Bennet selber, mal wieder in einer sehr unübersichtlichen Partie, für einen Sieg gesorgt. Magnus Ermitsch musste dann seine Niederlage eingestehen und anschließend ärgerte er sich sichtlich, dass Kroatien auch noch das WM-Finale verlor. Kein guter Tag für das große Berliner Talent. Den halben Punkt steuerte Nikolai Nitsche bei. Und dann ist da noch das Quartett aus der Türkei, das bisher völlig oberhalb aller Erwartungen spielt. Heute wurde, wie ist hier das neue Jugendwort im Schach?!, Deutschland 1 „rasiert“. Nur einen halben Brettpunkt konnte die erste Deutsche Mannschaft am Ende des Tages ihr Eigen nennen.

Das Gleichnis vom Gleichschritt wurde in diesem Zusammenhang vermutlich schon zu häufig bemüht. Auch in dieser Runde konnten die beiden in Front liegenden Mannschaften Ungarn und Deutschland 1 jeweils 1,5 : 0,5 gewinnen. Diesmal war es Deutschland 1, das kurz davor stand etwas abzugeben, da das Brett 1 Luisa Bashylina gegen Saskia Pohle recht früh einen Bauer einstellte. Doch Luisa kämpfte und hielt Remis, während ihre Kollegin Svenja Butenandt den vollen Punkt machte. Deutschland 2 konnte dank eines Sieges von Margarete Wagner gegen Tschechien einen Punkt holen. Die bereits erwähnten Ungarinnen Zsoka Gaal und Molli Amina Markus gewannen dank Gaals Sieg mit 1,5 und bleiben damit zusammen mit Deutschland 1 Spitzenreiter.

96_K-EG1B4585.JPG

Morgen steht eine Doppelrunde für die U12 an, es müssen also alle Kräfte mobilisiert werden, denn Montag ist der letzte Tag für die U 12 wo 4 Mannschaftspunkte zu holen sind.


Jonathan Carlstedt


gedruckt am 13.06.2024 - 18:59
http://eytcc2018.steffans-schachseiten.de/include.php?path=content&contentid=97