Euro 2018
Feuerwerk in Bad Blankenburg
13.07.2018 - 21:39

Nein es ist noch nicht Silvester und es gibt auch (noch) nichts zu feiern. Aber ganz nach Alexei Shirovs Motto, gab es „fire on board“. Die Teams sind allesamt so nah beieinander, dass seit Runde 1 jeder Sieg hart erarbeitet wird, um jeden Punkt gekämpft werden muss und keine Gegner wirklich als einfach bezeichnet werden können. Als Zuschauer vor Ort, aber sicher auch als Fan der Länder und Freund am PC, wird man schnell in den Bann gezogen, von den vielen interessanten taktischen Wendungen und Überraschung.

In der U-18 traf heute Deutschland 3 auf Polen. Die Deutschen hofften auf ihre Außenseiterchance, doch die kam nicht. Die polnische Auswahl zeigte sich vollkommen auf der Höhe. Als erstes erwischte es an Brett 1 Luis Engel, der einen Einschlag auf h7 übersah und fortan nur noch die Niederlage herauszögern konnte.

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Alexander Rieß hatte an Brett 2 zunächst eine gute Stellung, doch Szymon Gulumarz hatte ein klares Ziel: Alex König! Den verfolgte er mit einem stark vorgetragenen Angriff und machte den vollen Punkt. Auch an 3 hatte Pawel Teclaf alles unter Kontrolle und spielte eine starke Partie. Es stand also 3-0, bezeichnend für den nicht zufriedenstellenden Tag von Deutschland 3, dass Daniel Kopylov in Gewinnstellung das Remisgebot seines Gegners annahm.

Ähnlich chancenlos war Deutschland 2 gegen Rumänien.

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Der erste der seine Niederlage quittieren musste war Jonas Roseneck, nachdem sein Gegner Victor Vasiesiu ein starkes Opfer auf f7 brachte. Auch die anderen Bretter gaben kein Anlass für Hoffnung. Konstantin Urban war der Einzige im Team der nie in rießigen Problemen steckte, aber am Ende kam auch er nicht über ein Remis hinaus. Auch Valentin Buckels verteidigte sich die Partie über, ohne echte Vorteile ansammeln zu können, auch wenn sein e-Bauer der Grundreihe gefährlich nah kam. Am Ende konnte er mit dem Remis sehr gut leben. An Brett 1 sah sich Emil Schmidek David Gavrilesco gegenüber, der durch sehr gutes Spiel überzeugte und Emil keine Chance ließ. 3-1 für Rumänien. In der Begegnung zwischen Ungarn und Österreich war unser deutschsprachiger Nachbar sehr solide, 3 Remis und 1 Sieg, das nennt man normalerweise deutsche Effizienz.
Deutschland 1 spielte gegen Israel, die mit 4 sehr starken Spielern besetzt sind.

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Entsprechend knapp wurde die Begegnung, während Roven Vogel und Raphael Lagunow gewinnen konnte, hatte Julian Martin das schlechtere Ende für sich. Vincent ließ nichts anbrennen, machte Remis und brachte damit die 2 Mannschaftspunkte über die Ziellinie. Weißrussland, Dänemark und Slowenien konnte jeweils mit 2,5 gegen die Slowakei, Tschechien und Türkei gewinnen. Damit gingen alle Matches, bis auf die ersten beiden Tische, 2,5:1,5 aus.

In der U18 weiblich war die Spannung zum Greifen! An Tisch 1 hatte Deutschland 2 die polnische Mannschaft am Rand einer Niederlage, sowohl Teodora Rogozenco, als auch Lara Schulze standen sehr gut. Doch Teodora übersah einen Einschlag auf f2 und musste kurz darauf aufgeben. Lara spielte die längste Partie des Tages und hatte eine Gewinnstellung auf dem Brett. Doch sie verpasste eine trickreiche Pattfalle und schaffte nur ein Remis. Eine sehr ärgerliche Niederlage, aber Deutschland 2, mit Coach Tatjana Melamed, wird sich davon schnell erholen.

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Besonders bitter verlief die Runde für die an 1 gesetzte Mannschaft aus Serbien, die eine Niederlage gegen Ungarn hinnehmen musste, während Deutschland 1, mit Fiona Sieber und Jana Schneider souverän gewinnen konnten. Deutschland 3 zeigte sich wieder in guter Form und konnte gegen die starken Kroaten ein 1:1 erspielen, diesmal steuerte Ann-Marie Mütsch den Punkt bei.

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An Tisch 2 leistete die Türkei eine ganze Menge Gegenwehr gegen den vermeintlich überlegenen Gegner aus Slowenien, doch am Ende wurde diese Gegenwehr gebrochen und Slowenien 1 konnte mit 1,5 : 0,5 gewinnen. Deutschland 4 hatte das Freilos, während Rumänien 2:0 gegen Tschechien gewinnen konnte und Israel und die Slowakei sich 1:1 trennten.

In der U12 gewann Israel die nächste Begegnung und diesmal sehr überzeugend, mit 3,5 : 0,5 wurde Tschechien zurück in ihre Zimmer geschickt. Konkurrent Frankreich kam nicht über ein 2:2 gegen Weißrussland hinaus. Auch weil an Brett 3 ein Endspiel, das anschließend von den Kapitänen der beteiligten Mannschaften analysiert wurde, von der französischen Seite nicht gewonnen wurde. Besonders bitter aus Deutscher Sicht die Niederlage von Deutschland 2 gegen die Türkei. Eine klare 3:1-Niederlage. Doch Coach Tom George wird die richtigen Worte finden um die Mannschaft wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Immer deutsch-deutschen Duell gab es keinen Sieger, aber das junge Team um Spitzenbrett Bennet Hagner präsentierte sich sehr stark. So konnten Bennet und Magnus Ermitsch ihre Partien gewinnen. Für Deutschland 1 gewann Jeremy Hommer, nachdem er nach der Eröffnung einen Bauer einstellte und Leonardo Costa.
Das größte Comeback der Runde feierte Zsoka Gaal in der U12 weiblich in ihrer Partie gegen Lucie Fizerova. In einer aussichtslos scheinenden Partie, schaffte sie es sich zurück zu kämpfen und die Partie sogar noch zu gewinnen! Da reicht ein Remis an Brett 2 um den Sieg einzufahren. Deutschland 2 erreichte, dank eines Sieges von Charis Peglau einen Mannschaftspunkt gegen Frankreich. Das Aufeinandertreffen von Deutschland 1 und 3 war indes eine klare Angelegenheit. Deutschland 1 gewann 2-0.

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Es bleibt also weiter sehr spannend, alle Turniere sind so offen wie sie nur sein können und man wird das Gefühl nicht los, dass hier wirklich jeder jeden schlagen kann!


Jonathan Carlstedt


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